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Pulp Fiction
Reimer Eilers . Pulp Essay
 
Über den Privatdetektiv

Keine Frage, mein Held kommt aus Amerika. Nur der amerikanische Private Eye lebt wirklich aus der Moral und aus unverfälschten Prinzipien antiker Poetik.  Der englische Amateurdetektiv ist zwangsläufig eine höchst skurrile Natur, soweit er sich ernsthaft mit der Verbrecherjagd befasst, und das auch noch mit Erfolg. Er entstammt einer gründlich und verdientermaßen entschwundenen Epoche, in der Amateure als Mitglieder des englischen Oberhauses imperiale Weltpolitik bestimmten. Der Amateur als Kriminalist mochte außerdem in solchen Zeiten eine gewisse Berechtigung gehabt haben, als Folter und Gottesurteil nur zögernd vom Indizienbeweis abgelöst wurden und Laien auf dem wenig beackerten wissenschaftlich-technischen Sektor noch bedeutende Erfindungen machen konnten.

Das alles ist vor dem kontemporären Hintergrund der DNA-Analyse und der Profiler von FBI und BKA out & verstaubt. Heute ist der englische Detektiv eine rückwärts gewandte Figur, so wie das englische Kastenwesen, dem er entsprungen ist, und es lohnt nicht beiden eine Träne nach zu weinen. Miss Marple und Lord Of Of haben keine Glaubwürdigkeit in einer Zeit, in der Diletantismus bei allen wichtigen Fragen der Zivilisation gefährlich geworden ist. Und wer will ernstlich davon absehen, dass ein frei umher laufender Mörder durchaus ein Problem von Gewicht darstellt.

Wir können als Leser von Krimis unser aristotelisches Erlösungsbedürfnis heute nicht ernsthaft auf den Amateur übertragen, nicht einmal auf eine vordergründige Spezialerscheinung desselben wie Pater Brown. Was für ein atavistischer Schwachsinn, wahrlich, denn ein Kirchenmann als erfolgreicher  Amateurdetektiv ist ein Widerspruch in sich, das Gegenteil eines Mediators der göttlichen Transzendenz, ein zutiefst fragwürdiges Wesen der Inquisition mithin, das ganz ohne Zweifel einen miserablen Geistlichen abgibt und von dem sich nur der Ahnungslose die Absolution erteilen lassen würde.

Genauso wenig kann der deutsche Kriminalkommissar eine ungeschmälerte Wirkung auf uns ausüben. Chandlers Forderung nach dem besten Mann für diese Welt und einem guten für jede Welt wird man nicht an einen Detektiv richten wollen, der vom Staat besoldet und mit Pensionsberechtigung versehen wird. Ich denke, das käme ziemlich absurd. Der preußisch-deutsche Ordnungshüter tritt in Aktion als langer Arm der Kanzleien, als Hüter der Paragrafen. Von eben der Ordnung weiß er, sie ernährt ihn, sie macht ihm die Vorschriften für seine Schritte draußen auf den Straßen - und nicht die Moral.

(...demnächst mehr vom Private Eye)

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Demnächst erscheint Reimer Eilers: Der große Mauerfall mit kleinem Trauerfall (Privatdetektiv Jakob Singer).
Außerdem Reimer Eilers: Die schwarze Prinzessin (mit dem Hamburger Privatdetektiv Harry Voss), Exemplare aus der Restauflage erhältlich beim Autor oder in der Hamburger Krimibuchhandlung "heiner k.", Weidenallee.

    Pulpe, Bütten oder Kanzleipapier?
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