Michael Batz und Reimer Eilers

Hamburg-Mitte

Flacher Horizont, Tabula rasa, Hamburg-Mitte.
Bürgermeister und Vizin marschieren über graue Erde,
Ortwin Runde in grünen Gummistiefeln und Krista Sager barfuß.
Keine Halluzination, kein Katastrofenstreifen, nix Comic,
beileibe nicht Hollywood, überhaupt kein Kino,
nicht mal ne gut gemeinte Fernsehproduktion von Studio Hamburg nebenan in Wandsbek.
Watt.
Und winzig gegen den Himmel Neuwerk.
Warum nicht?
So ein anständiges Stück
Nordsee gehört zu unserem Bezirk Mitte dazu.
Gegebenenfalls verblüffen wir auch.
Denn nur wir sind das Tor zur Welt.
Die anderen Stadtteile, ganz unter uns, kann man vergessen,
das ist Umland.
Unland,
landauf, landab, egal.

Krista schaut aus dem Rathausfenster.
An de Eck steiht ‘n Jung mit ‘n Tüdelband,
in de anner Hand een Bodderbrot mit Kees.

Was denkst du? Schau mich an, sagt Ortwin hinter der Senatsgardine.
Ein Satellitenfoto hängt an der Wand über seinem Schreibtisch,
gemeinsames Werbegeschenk von Zeit, Spiegel, Stern und Szene,
persönlich überreicht von Rudolf Augstein, Gräfin Dönhoff und dem Klaus,
signiert auch von Helmut Schmidt und, per altem Unterschriftenautomaten, von Henri Nannen.
Deutlich sieht man Hamburgs Mitte vom Weltall aus,
mit Datum und Uhrzeit,
man ist im Bilde,
wo sich die Himmelsrichtungen, Käpt’n Nemo mit dem Erdmittelpunkt
und das Sternbild des ehrbaren Kaufmanns zu befinden haben.
HIER, nicht dort.
Hier steht Bobby, der Silbermann, vor dem Alsterhaus
und zeigt den intergalaktischen Robo-Techno-T-Raumschifftanz.
Er braucht dazu nur einen Requisitenkoffer, Grafitti-Spray und einen Ghettoblaster.
Die Bühne macht die Stadt,
das zahlende Publikum sind die Shopper aus Skandinavien und die Pauschalreisenden
in Sachen Musical mit Spürsinn für das freilaufende Phantom der Oper.
DORT
ist beinahe soviel wie gar kein Ort,
korrekt regiert und verdient wird nur diesseits der Stadtmauern.
Es ist gut, daß diese Mauern inzwischen ein virtuelles Projekt sind,
muß nicht jeder Landaffe durchblicken, wo er steht.
In Eppendorf, Wandsbek oder Blankenese wohnt man als Hamburger in Wahrheit erst,
wenn man sich einen Dauerparkplatz in der City leisten kann.

Wir marschieren auch mal durchs Watt, sagt Ortwin zwischen zwei Zügen aus der Pfeife.
Das ist nicht schlecht für die Durchblutung.
Und wir halten innerlich auf Distanz.
Nur so werden wir die wahren Interessen der Stadt erkennen.
Auf dem Meer der Meinungen ist jeder sein eigener Reeder,
Kapitän und Steuermann geworden,
heuert sich selbst an, hat niemanden über sich
und wartet auf den Gewinn, den die Unternehmung für ihn abwirft.

Er zieht einen Satz Dartpfeile aus der Schreibtischschublade,
rote, blaue, grüne gelbe, ein Paar braune wie die Elbe,
gibt Krista zwei bunte Pfeile ab,
nimmt einen wieder zurück, mit Dartpfeilen ist er knapp.

Hier wollen wir Landmarken peilen in der Flut der Ansprüche,
dem Tagesgetöse und Landunter der Medien,
den Roaring Forties der Begehrlichkeiten.
Ich will kein Weichei sein.
Stets lag mir die Admiralitätsbrücke nahe.
Sind wir ein rot-grün-bunter Haufen, bin ich Chef
auf der Bunten Kuh.
Nimm also du
vorläufig mit der Trostbrücke vorlieb und dem Heiligen Ansgar.
Da! und da! Und hepp!
Eine Wurfkunst wie im Zirkus
und ein Rhythmus
wie ein Rap.
Schon markieren Dartpfeile die genannten Orte
auf dem Satellitenfoto, das die Rückwand einnimmt über dem Bürgermeisterschreibtisch.
Ortwin hat es auf Korkplatte aufziehen lassen.
Da! Das Chilehaus. Und der Michel! Die Pfeile fliegen auch ohne Krista.
Die Börse! Das Rathaus! Da! Die Börse! Das Alsterhaus! Und Vier Jahreszeiten!
Bevor wir Sozialdemokraten und Grüne sind,
sind wir in Hamburg-Mitte Hanseaten,
und diesseits der Lombardsbrücke ist unsere Lombardei.

Wenn he bloß nich mit de Been inne Tüdel kummt.
Und da leggt he ock all lang op de Näs.
Was denkst du? fragt Ortwin und sammelt die Dartpfeile wieder ein. Schau mich doch an.
Wer ist noch Bürger da draußen
und bürgt für den anderen?
Ich hab sie alle im Ohr, die Soprane, Bässe und Tenöre aus dem Wählerchor:
Persönlich bin ich Opfer und nicht Täter.
Den Bürgersinn verschieben wir auf später.
Ortwin ist nicht schlecht als Wählerimitator
auf dem Senatsparkett,
doch wird aus einem Monolog auch dadurch kein Duett,
und schon
hören wir wieder den Originalton:
Antragsteller, Prozesspartei, Betroffener Verunfallter und Klient sind die Rollen,
da greifen unsere sogenannten Bürger in die Vollen.
Aber gib mal ein schweinisches Stück, und du siehst:
Kein Schwein
steht mehr für seine Schweinerei ein.

Oben hinter dem Rathausfenster erschrickt sich Krista.
Un he rasselt mit em Dassel an ‘nen Kantsteen.
Laß ihn, sagt Ortwin. Das is’n Klacks für’n Hamborger Jung.

Wie, Mädel, fragt Ortwin über den Dächern der Stadt,
die immergrünen Gummistiefel zum Trocknen an die Satellitenschüsseln hängend,
die noch sein Vorgänger zu Hunderten zählte,
Baukräne vermissend,
die Geschichte ist eben ungerecht,
wie aber sollen wir dieses Stadtschiff steuern?
Die Maximen der Staatskunst sind in der Pfandleihe am Steindamm hinterlegt,
den Rezepten von gestern fehlen die Zutaten von heute und der Geschmack von morgen.
Hamburg-Mitte ist wie die Stadt der Capulets und der Montagues,
bist du meine Julia, will ich dein Romeo sein,
mit dem Unterschied,
dass meine Partei mich nicht verrecken läßt,
trotzdem erwartet man eine Antwort von uns,
kostenlos, aber nicht billig.

Krista sieht unten an der Ecke neben dem Rathaus einen Jungen, der sich aufgerappelt hat und davon geht.
Klaun, klaun, Äppel wüllt wie klaun.
Ruck zuck öbern Zaun.
Ein jeder aber kann das nicht.

Sprich mit mir! bittet Ortwin.
So soll es sein, antwortet Krista, machen wir ein Drama daraus.
Lernen durch Leiden, erst die Krise gibt den Kick.

Ihr Kopf ist zur Seite geneigt.
Nicht der Schmuck im Ohr ist der Grund,
sondern der klare Gedanke,
dass dieser Zeit eine große Metapher fehlt.
Kurzatmig ist auch die Politik, blind und beschäftigt,
Tagesprobleme abzuhaken, Bären oder Bullen, je nach Marktlage,
ohne Grundsatz und Prinzip,
was nicht Rechthaberei bedeutet, sondern schlicht den Anfang,
die Idee, nach der du angetreten.
Doch hier gilt: Anpassung oder Tod.

Bevor die Dämmerung einfällt, sind beide wieder parterre.
Gehen wir durch die Hintertür aus unserm Rathaus, sagt Ortwin, direkt in unsere Lombardei.
Sie schauen kurz nebenan bei der Börse vorbei.

Irgendwo muss das Geld geblieben sein,
das sie nicht mehr über den Haushaltsplan ausgeben können.
Hier im Börsensaal ist jetzt alles still.
Im Aufgang zur Empore grüßen in Marmor Hermes und Alexander von Humboldt.
Krista, zuständig für Bildung und Wissenschaft, umarmt Humboldt, sie will ihm ein neues Reisestipendium verschaffen.
Wie ist es gelaufen heute? fragt Ortwin.
Und Hermes gibt Bericht.
Die Kurse sind wieder gestiegen,
dass sich die Balken in den Wertpapiercharts biegen.

Und wenn das niemand mehr checkt,
genügt ein Anruf bei der HASPA direct.

Wenn die Sonne hinter der Elbe untergeht
und die Spekulationen aufgehn, Bären oder Bullen, je nach Marktlage,
machen die Händler einen Seitensprung,
mehr braucht es nicht von Mitte nach St. Pauli, wo die Broker durch die Nachtklubs ziehn,
um sich abzutörnen,
das Adrenalin im Blut abzubaun,
das sie zappeln läßt wie die Pop-Stars in den Videoclips ihrer Kids,
nicht schlecht betreut im weiten und läufigen Quartier des Dr. Braun und des schönen René,
den Krawattenknoten gelockert,
die Gedanken noch zwanghaft bei letzten Puts und Calls, Long  oder Short Positionen,
aber das Handy mit dem Schlußstand des Dow Jones,
dem Anfangsstand des Nikkei Index, bleibt heute Nacht in der Tasche,
entspannt sind sie endlich beim Verticken des Gewinns
an schön ordinäre Girls und ans schön ordinäre Glücksspiel.

Ein jeder aber kann das nicht,
denn er muß aus Hamburg sein.
Jo, jo, jo, klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun...
Und die Broker singen die Nacht in den wilden Westen davon, dem neuen DAX und dem STOXX entgegen.

Und die Sonne geht auf über den Flußnebeln bei Geesthacht, den Bergen von Bergedorf,
der funkenden Kommunikationsspitze des Fernsehturms,
sie bescheint  in langem schrägen Weckruf Hamburg-Mitte,
die stillen Kaiser auf dem stillen Rathaus,
den verkaterten Berber vor dem Kaufrausch von Karstadt und das glatte Dach der Landesbank,
sie weckt Aal-Fiete und Zitronen-Jette von der mobilen Hamburg-Werbung,
die sich das 200-Watt-Megaphon greifen und ihren Stand am Fischmarkt beziehen,
sie kitzelt Jürgen Flimm vom Staatstheater und den Hamburger Schwanenvater in seinem Federbett
mit einem warmen Guten-Morgen-Strahl in der Nase,
sie besieht sich die prachtvolle Palette von Damen und Herren,
die am 2. Juli Punkt acht im Schottenkaro auf der Bühne des neuen Tags erscheinen
und rings um den Alten und den Neuen Wall
auf den Aufzug ins tiefklimatisierte Büro warten,
denn die müssen wirklich aus Hamburg sein.
Was heißt hier Äpfel stehlen?
Mit denen kannst du Pferde quälen.

Peter Johannes Dovenhagen, an diesem Morgen vor dem Ostfenster in seiner Firma stehend,
einmal quer durch Mitte, hinter dem Gelände des Alten Doms,
mit Blick auf den Hafen,
ist höflich zu jedermann.
Er ist höflich gegenüber seinen Geschäftspartnern,
gegen die Anwälte der Sozietät an den Alsterarkaden, die seine rechtlichen Interessen vertritt,
höflich zu seinen Sekretärinnen, zu seiner Mutter, die nun allein am Feenteich wohnt,
und mit der er jeden Samstag zu Mittag ißt,
er bewahrt seine Höflichkeit gegenüber dem Penner,
der ihm in der Mönkebergstraße vor Brinkmann im Weg steht.
Jodo, wie er von seinen ältesten Ruderkameraden genannt wird und nur von ihnen,
mit denen er 1995 in Boston, Massachusetts, die Altherrenregatta im Achter  gewonnen hat
und mit denen er im Frühling 1996 auf der Alster in den Finallauf kam,
ist höflich zu seinen Mietern und dem politischen Gegner,
von Herrn Runde bis Frau Sager,
höflich zu all den Figuren seiner politischen Heimat, der CDU,
die er wegen ihrer hohlen Leinpfad-Attitüde verachtet,
nur vom Fraktionsführer hält er was,
aber Herr von Beust muß sich noch bewähren.
Selbst zu Hause, am Falkensteiner Ufer, bei Frau und drei Kindern, ist er überwiegend höflich.

In seinem Büro im Doven-Hof hängt ein einziges Bild,
ein Gemälde von Phillip Otto Runge,
und die Morgensonne beleuchtet zwei Jungen und ein kleines Mädchen in einer Parklandschaft,
das Mädchen mit Blumen im Haar,
die Jungen einen mit einem Jagdhund spielend.
Margarete, seine Urtante, hat später einen Sieveking geheiratet.
Peter Hans starb mit Dreißig in einem englischen Hospital in Hong Kong,
nachdem er bei einem Geschäftsessen in der Provinz Sechuan
ein Hundertjähriges Ei gekostet hatte,
das von einem Pilz befallen gewesen war.
Sein Bruder Paul bewirkte wenig später mit dem Einsatz des ersten Viermast-Rahseglers
auf der Route Hamburg - Singapur - Kanton
einen Quantensprung für das Vermögen der Familie.
Ein Relief des Seglers ziert den Stein auf dem Familienbegräbnis in Ohlsdorf,
gerahmt von zwei hundertjährigen Korea-Tannen.

Der schöne René hat die Kasse der letzten Nacht
aus dem Nach(t)bar-Viertel des Heiligen Paulus
zu Dr. Braun ins Penthouse an der Ost-West-Straße gebracht,
ein wenig weiter weg vom unsichtbaren Alten Dom, ein wenig andere Motive,
doch dieselbe kaltschnäuzige Hamburger Pracht,
der Hafen-Blick wie vom Doven-Hof,
nur mit winzig verrutschter Perspektive.

Dr. Braun ordert an diesem Morgen wieder über die Hamburger Börse,
nicht Frankfurt und nicht Düsseldorf,
er weiß, was er seinen Kunden schuldig ist.
Diesen Platz halten wir in der Stadt, das geben wir nicht auf fremdes Parkett
und nicht in das zahlenfresende Nirvana des Computerhandels.
Heil dir, Hammonia,
es gibt zu wenig Orte, wo das Geldverdienen genauso viel Spaß macht, wie das Geldausgeben.
Die Sonne ist aufgegangen über Absurdistan.
Wo liegt das? Wo steht das im Reiseprospekt?
Und was kost’ die Welt?
Wir zahlen, solange sie hält.

Und wenn das niemand mehr checkt,
genügt ein Anruf bei der HASPA direct.

Barfuß tanzt Krista Sager auf dem Dach der verkauften Landesbank.
Ortwin Runde sammelt seine Gummistiefel von den Satellitenschüsseln ein.
Freiheit, sagt Krista, ist auch die Freiheit vom Tafelsilber.
Die Angst vor Dieben ist einem genommen.
Kein Warten, kein Grübeln kränkelt dich an.
Dem Diogenes gleich liegst du, Ortwin,
im beheizten Eingang von Brinkmanns Technischem Kaufhaus,
in einer Gesellschaft der Freien.
Alles würdest du geben, um ihnen zu helfen.

So ist es, sagt der blinde, stinkende und verrückte Obdachlose Ronny Otten.
Ja, ich wars, ich schoß auf Kalle Schwensen.
Ich schoß auf Kalle Schwensen vor der „Gurke“ in Klein Pöseldorf.
Dort blieb die Zeit stehen, ich nahm die Knarre und schoß auf Kalle Schwensen
und auf Dr. Braun und die Broker mit dem Handy in der Tasche.
Aber ich schoß nicht auf die Alsterschwäne.
Ich schoß auf Kalle Schwensen und auf Friedhelm Mönter
und auf Uli Wickert vor dem Studio.
Ich sagte: Hey! und schoß auf Joop und Jürgen Hunke,
den ganzen HSV und Peek & Cloppenburg.
Ich erwischte Hennes & Mauritz und C & A und Uwe Seeler.
Die Sonne funkelte auf meiner Knarre,
so wahr ich Ronny Otten heiß.
Ja, ich schoß auf Eugen Wagner, und meine Knarre weinte.
Ich schoß auf die gesamte SPD und den HSV,
auf den Senat und die Hafenbarkassen und die Designeraffen
am Neuen Wall und am Jungfernstieg.
Ja, ich schoß auf Hapag Lloyd und auf die Kunsthalle.
Die Zeit blieb stehen, und die Knarre weinte.
Ich schoß mir alle Namen aus dem Kopf.
Aber ich schoß nicht auf die Alsterschwäne.
Nein, ich schoß nicht auf die Alsterschwäne, nein, nein.

In den sechziger Jahren hat die Familie Dovenhagen die letzten Anteile an Schiffen verkauft.
Peter J. Dovenhagen ist mit Immobilien aufgewachsen,
er besitzt rund 10 000 Wohnungen in Hamburg und der restlichen Welt,
nicht alles gehört ihm allein, es gibt Kommanditisten,
die braucht man wie das große Theater seine Bühnenstatisten,
um das wirklich große Rad zu drehen,
über Schiffsuntergänge und Hamburgs Brände hinweg oben dazustehen,
zirka dort, wo sich Parallelen schneiden
und die Fahnen am Hotel Atlantik und am Doven-Hof ungehindert wehen.

Gern schaut er von seinem Büro auf die Ost-West-Straße hinunter,
pulsierende Verkehrsader, die nach dem Krieg der kurzatmigen Altstadt neues Leben einhauchte,
fährt gern mit seinen Geschäftspartnern in einem der gläsernen Fahrstuhltürme des Doven-Hofs bis hinauf in die Glocke überm Dach,
um ihnen die Speicherstadt im Panorama zu zeigen,
für die vor einem Jahrhundert ein ganzes Quartier entmietet wurde,
20.000 umgesiedelt.
Beides ist ihm Symbol für die Kraft der Stadt, wie ein Berg zu kreißen,
das Neue zu gebären und das Alte einzureißen.
Gern geht er auch mit seinen Geschäftspartnern zum Nicolaifleet, um Matjes zu essen,
man kennt dort hundert Arten ihn am Tisch zu bereiten,
ein Dovenhagen braucht nicht zu protzen, das reicht an Köstlichkeiten
in Hamburg für die nächsten Zeiten.

Soll ich die gelbe Linie, fragt Ortwin hinter der Senatsgardine, oder die blaue
oder die rote fahren? Welche Linie soll ich fahren?
Wenn du Romeo bist, sagt Krista, immer noch für Bildung und Wissenschaft zuständig,
will ich Julia sein.
Nimm die grüne Linie bis Kaltenkirchen,
wenn du nicht nach Ohlsdorf willst.
Ortwin stutzt. Die Pfeife, die einst Herbert Wehner mit der Glut des Arbeiterkampfs betrieb, erlischt.
Nichts Grünes führt nach Kaltenkirchen.
Dafür hat er ein dejá vu.
An de Eck steiht ‘n Deern mit een Eierkorf,
in de anner Hand een groten Buddel Rum.

Krista spitzt die Lippen, hält die Brille gegen das Deckenlicht.
Bin ich deine Julia, oder bin ich es nicht?

Ortwin sinkt auf die Regierungsbank. Let it be, be and let it be.
Bist du eine Capulet, bin ich kein Montague, sondern Hamburgs let it be.
Wenn se bloß nich mit de Eier op dat Plaster sleiht,
un da seggt et ok all lang: bum bum.

Das alles hören wir und finden keinen Wald von Dunsinan in Hamburg-Mitte,
kein König liegt in seinem Blut, sondern die Wurst auf dem Grill,
in Bremen gibt’s die schöne Adresse „Am Brill“, hier heißt sie ebenso,
verhänselt und zergretelt irren wir
durch Weindörfer, Pommesbuden, Fressmeilen, Senfhalden und Bratwurstmeere,
Schupfnudelboulevards und die tausendjährige Geisterbahn des Alstervergnügens,
eine derart geheuchelte Bezeichnung, dass sie glatt aus der Nazizeit stammen könnte.
Knacker oder Hafenlümmel,Thüringer oder Wiener, Pferd oder Heißer Hund,
Passionsspiele lösen sich ab.
Die Schreckensherrschaft der Jakobiner wird hier nachgespielt
als Terrorregime des angekokelten Nackensteaks,
hier fällt sie nicht, die Guillotine, hier wird sie gefressen.

Das ist die neue Hamburger Dramaturgie,
sagt Lessing auf seinem Sockel am Gänsemarkt, gegenüber dem Ufa-Palast,
der Reinigungsanstalt für verschmutzte Gefühle,
wo man im Vorwaschgang liebt und im Hauptwaschgang haßt,
bis der Herzschrittmacher wieder clean ist.
Wir eilen rasch weiter.

Heinrich Heine nimmt uns vor dem Rathaus an die Hand.
Nicht nur die Vögel scheißen auf sein Denkmal, trotzdem ist sein Zauber anwesend,
Poesie und Schmerz, Genuß und Stolz auf die Freiheit der Menschenwürde gesetzt zu haben.
Dabei ist nichts anders.
Nicht der schändliche Macbeth herrscht, sondern immer noch der trockene Bancquo.

Jawohl, und der Hamborger Jung geht als Broker verwandelt.
Und wenn das jemand nicht checkt,
genügt ein Anruf bei der HASPA direct.
Auch die sitzt nur einen Steinwurf von Heinrich Heine.

Hamburg-Mitte, verkaufsoffen, verkehrsberuhigt, verdächtig flach,
kein Solitär ragt heraus, nur das Plaza SAS am Dammtor. Save our Souls auf Platt,
nichts reicht höher als bis zum Kirchturmkragen,
nach oben ist Schluß ab 130 Metern, in Hamburg sagt man Tschüß,
danach beginnt die NASA
und darüber wahrscheinlich der Weihbischof.
We really don’t know why.

Hier in Mitte herrscht die härteste Verwaltung der Welt.
Beton ist Zuckerwatte gegen Grundeinstellungen in Block A bis D am Klosterwall.
Bananenrepubliken aus Übersee schicken ihre besten Lehrlinge,
um die Kunst des konsequentesten Nein zu studieren.
Im Gleichschritt geht es durch die Stechuhren.
Die wichtigsten deutschen Worte,
zugleich die wahre Hamburger Hymne,
werden ab sieben Uhr gedrillt: Mokken! Und Mahlzeit!
Das letztere ab neun.
Ergriffen werden die Bananenstudenten versammelt vor dem Allerheiligsten des Bezirksamts,
wenn der Schrein geöffnet wird, die Lade gezogen,
die kleine grüne Gummimatte zum Vorschein kommt, mitten darauf,
stahlblau blitzend wie das Schwert des Schicksals,
nur äußerlich in Form eines banalen Stempels,
das Dienstsiegel der Unerbittlichkeit, das Wort: Abgeschmettert!
Doppelt hält besser, meine Herren Studenten!
Die ganze Wucht eines imperialen Kaiserreiches steht wieder auf,
wie Donnerwetter! Tadellos! und Abjeschmettert! Mahlzeit!

Liebe Unterentwickelte, ergeht die Unterweisung an die Studenten aus den labilen Demokratien,
die Gier des Privaten richtet sich auf den Raum des Öffentlichen.
Zur Verteidigung des Öffentlichen rücken wir Bediensteten aus
mit Zollstock und Millimeterpapier.
Kein Haar ist uns zu fein, um es doch zu spalten.

So soll es sein, sagt der blinde, stinkende und verrückte Obdachlose Ronny Otten.
Runter mit den Klamotten!
Laßt Luft an den Körper! Durchzug in die Köpfe!
Laßt die Power an euch ran!
In meinen besten Zeiten hätte ich einen unhaltbaren Schmetterball
auf diesen Tempel der Stempel, diesen Sportverein des NEIN gelenkt,
als Racheengel und Terminator den Blick freigeputzt,
wie ich es als Sprengmeister getan habe am Millerntor.
Doch ich tus’s nicht.

Er tut es nicht. Wir ahnen, das hat zum einen seinen Grund
bei den lustigen Leuten vom Katastrophenschutz, den Was-wäre-wenn?-Poeten,
die nach dem Dritten Band der großen Enzyklopädie, der Flut von 62,
schon längst den vierten Band in der Mache haben.
Groß wird das Denken in Mitte nur beim großen Schaden.
Das Herz der Stadt, es ist leer.

Der Terminator geht weiter, vorbei am anderen Grund,
dem kleinen Büro neben Ablageraum und sozialem Bereich,
man schickt von hier
seit 1920 die Alsterschwäne in ihr Winterquartier.
Nichts rührt in Babylon zu Tränen,
es sei denn König Ludwig mit den Alsterschwänen.

Und mitten zwischen die grauen Horrorklötze der Blocks A bis D gepflanzt
die wundersame Bezirks-Abteilung von Planten un Blomen,
zuständig für ein Füllhorn an Pflanzen und Blumen,
dabei durchaus exotischen Gewächsen zugetan,
wie dem Tee der Zeremonie im japanischen Teehaus
und anderen erleuchteten Gartengenüssen,
diese liebevoll und diskret gefördert neben und hinter dem Populus-Muß
der Vergnügungen für Volkes Mitte,
die sich rasend gern auf Planten un Blomens Rasen breit und bereit  macht,
Tümlichkeit einkreischend mit dem Humba Humba der Spielmannszüge
in den plötzlich strammstehenden Eichenalleen der 30jährigen Kriege
und der abendlichen Phallokratie der Wasserorgel, der Einheit alles Spritzenden,
an der sich in der warmen Jahreszeit,
also vom 2. auf den 3. Juli,
Kompanien von Senioren ohne Geschlecht orgelastisch berauschen und benässen.

Diesem wundersamen Büro sei Lob und Dank. Der Terminator geht vorbei
an der Abteilung des erstaunlichen Wundersamens.
Und so hat auch die graue Macht und Pracht am Klosterwall noch eine Frist,
bis der Speiseplan der Zukunft sie endgültig vergißt.

Der Mittag schlägt an seinen Gong.
Verkehr und Gastronomie sind die Taktmesser der Stadt.
Ohne Messer geht nichts. Das weiß auch der Kulturaustausch.
Wir sehen Harald Clapham von der Kulturbehörde
an der Spitze einer chinesischen Delegation,
gefolgt von einer koreanischen Delegation,
gefolgt von einer japanischen Delegation.
Alle freuen sich über die Teekanne mit grünem Tee,
wie er sie auf dem Kopf balanciert
und gleichzeitig den acht Meter langen Leporello der Sehenswürdigkeiten ausbreitet
und die Kulturprojekte erklärt der nächsten 120 Jahre,
für die es endlich keine Kohle mehr gibt,
nur grünen Tee.
Frau Flor von der Tourismus-Zentrale tanzt herein.
Blau, Weiß und Rot sind unsere Farben, die Steinstraße steht kopf.
Der Hamburger Sommer, er kostet nur drei Mark,
glücklich, wer die Hamburg-Card besitzt.
Die Delegationen strahlen. Herr Clapham verbeugt sich vollendet
und gießt den Delegationen Tee in die Fotoapparate.

Wir in der Zwischenzeit projizieren Texte ans Alsterhaus.
Jung. Fern. Und verstiegen.
Die Stadt läßt sich nicht beschreiben. Aber beschriften.
Alles ist beschreibbar mit Edding-Stiften.
Objektbeschreibung statt Sinngedicht. Flächentanz statt Tiefenrausch.
Die Notare über den Alsterarkaden des Herrn Chateauneuf schütteln den Kopf.
Was bringt es denn, niemandes Paragraph zu sein bei soviel Aufwand?
Die Stadt ist sich Gesamtkunstwerk genug.
Macht nur eingebildete Pläne wie Wagner, König Ludwig und seine Schwäne.
Eine Unterschrift genügt doch zur Überschreibung.
Bei Hermann Tietz, bei Hertie und dem Alsterhaus
und den anderen jüdischen Geschäften
hat man nicht mal eine Unterschrift gebraucht.
Nur die Gegenzeichnung des Gauleiters.

Für die Fixen im Kopf schnell eine Rechenaufgabe.
How many years must a Hinz & Kunzt-Verkäufer vor Karstadt stehen,
um so viel Geld zu machen,
wie die Karstadt-Immobilie bringen würde?
The answer, my friend,
weiß nur das Spendenparlament.

In diesem Jahr hat die Gundbesitzverwaltung Dovenhagen fast hundert Mietshäuser umgewandelt,
an Interessenten aus aller Welt als Wohnungseigentum verkauft,
und der Konsul Peter J. Dovenhagen ist dabei immer höflich geblieben,
hat nicht nur Kaufverträge gegengezeichnet,
sondern auch Briefe seiner Verwaltung an die Altmieter auf angemessene Höflichkeit geprüft.
Persönlich hätte er gern vor etlichen Jahren das Demel-Haus am Falkenstein gekauft,
da ist ihm Herr Grossmann aus der Branche zuvorgekommen.
Das hat er sich ein klein wenig zu Herzen genommen.
Dagegen die Lagerfeld-Villa,
als sie vor kurzem zu haben war,
vom Fernsehen und vom Boulevard bekannt,
war nie Thema für ihn,
die Adresse war verbrannt.

Peter Johannes Dovenhagen spürt Verantwortung für das, was er tut,
empfindet Liebe und Verantwortung für die Stadt, die ihn machen läßt.
Er preist die Grewes,
Helmut und Hannelore, die der Universität für fast hundert Millionen
die Flügel am Hauptgebäude geschenkt haben,
ein glattes Märchen wie Hänsel und Gretel.
Dovenhagens Großvater John Qswald war ebenfalls Senator der Universität,
dem Zeitgenossen genügt es Konsul von Malta und Ordensritter zu sein,
aber in Schanghai
ist er dabei,
er wird Hamburgs Partnerstadt einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaft stiften,
wenngleich die Chinesen in der Zeit, als sie Opium kifften,
seinen Uronkel mit einem Hundertjährigen Ei zu Tode befördert haben.

Wir richten die Kamera auf das Hotel Vier Jahreszeiten aus.
Und drücken ab.
Dasselbe Motiv. Derselbe Winkel. Dieselbe Belichtung. Derselbe Film.
Immer ein anderes Bild.
In der Serie verstecken sich die Antworten,
weil sie sich nicht mehr verstecken.
Und die Antwort lautet: Über zwanzig Jahre sind vergangen.
Der Ufa-Palast jagt uns mit Popcorn-Tüten aus dem Haus.
Hier ist Teenie-Action gefragt. Kreischen, kauen, knutschen, kneifen.
Nur im Metropolis bleibt die Zeit noch Programm.
Aus Altersgründen neigt man zur Differenz.
Alle Bilder der Vier Jahreszeiten aus zwanzig Jahren werden in einer langen Nacht
hintereinander gezeigt.
Der Vorführer ist nach dem dritten Bild schon eingeschlafen.
Wir bleiben wach.
Aufgekratzt verlassen wir das Haus neben der Oper.
Kein Bus fährt mehr und wir merken:
Wieder sind zwanzig Jahre vergangen.
Die Colonaden liegen da wie eine Mondlandschaft.
Venezianische Masken brechen hervor, die Hamburger Pest kann nicht weit sein,
die Cholera-Epidemie.
Nein, Irrtum, eine Verkaufsidee des weltberühmten Klavierhauses
an der Ecke.
Das Hamburger Ballett
hat seine Jüngsten geschickt, um die Ältesten zu erfreuen.

Und immer wieder eine Demonstration.
Zwischen Moorweide und Besenbinderhof spannt sich die Wolkendecke
der politischen Unruhe.
Ortwin und Krista entgeht es nicht.
Es wäre ein Fehler, die Friesen zu unterschätzen.

Über dem Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof sieht man Lichterscheinungen.
Im Sitzungszimmer auf dem 8. Stockwerk sieht es nach einer Seance aus.
Es kracht, die Lichter gehen aus, der Vorsitzende der Journalisten Union gibt bekannt:
„Als Medium einstimmig gewählt ist Horst C. Harder.
Früher Spiegel, heute beim Stern, morgen Mopo, wir haben dich gern.
Horsti, bist du das Medium,
sind wir die IG Medien.
Ohne uns wäre die Demokratie im Eimer,
gäb’s die Stadt gar nicht.
Was ist ein Event ohne einen Bericht?
Aber uns achtet man nicht gebührend dafür,
höchstens den Kollegen Rüdiger Lühr.
Wir sitzen hier ohne Beleuchtung im Besenbinderhof,
und das ist doof.
Horsti, hilf, du bist das Medium.“

Am Katzentisch zur linken Hand
sitzen ein paar Kollegen vom Schriftstellerverband.
Der Vorsitzende sagt: „Na, ich hab gedacht,
keine Angst, wenn es dunkel ist und blitzt und kracht.
Heute Nacht bringen wir die Phantasie an die Macht.“
Darüber wurde noch lange gelacht.

Alea jacta, servanda pacta, vita brevis ad acta.
Spätestens im Senat wird man zum Lateiner.
Es ist entschieden! Ortwin sagt es auf dem Dach der Landesbank,
nur so kann er den Kielers aufs Dach steigen,
und zieht seine immergrünen Gummistiefel an.
Ausziehen! schreit aus der Tiefe Ronny Otten. Ausziehen!
Runter mit den Klamotten!
Laßt Luft an den Körper! Durchzug in die Köpfe!
Laßt die Power an euch ran!
Ich fahr heute, sagt Ortwin, die Pfeife fester packend, nach Moorburg,
mein schottisches Hochland.
Als Highlander weiß ich, es kann nur einen geben,
der den Airbus baut.
Wat mut, das muss.
Zum Ausgleich werde ich, MacOrt, 15.000 Eichen pflanzen,
den Wald des Joseph Beuys, den er selbst nicht gründen durfte
auf den Rieselfeldern Altenwerders.
MacDochnieda, mein Vorgänger, hat’s storniert.
Es fiel das böse Wort „borniert“.
Die Welt wird staunen über meine Hemmungslosigkeit in Sachen Kunst,
denn die Plastik wird aus Plastik sein, eingeparkt zwischen die Containerterminals.
Der Wald des Joseph Beuys wird mir nicht zum Wald von Dunsinan.
Er kommt nicht auf mich zu. Ich schicke Touristen dorthin,
und wer als Buddy Holli nicht mehr kann, der spielt den Beuys
als Geist von Helsingör mit Hut am letzten Hafenkran.

Krista, den Kopf schon in Schräglage, greift zum Handy. Sie will die drei Hexen fragen.,
ob MacOrt richtig liegt.
Doch bei den Hexen läuft nur die T-Net-Box.
Traurig, sagt Krista, wie uns die Zeit verratzt.
Da haben wir einen Auftritt verpatzt.

Gemeint hat sie den Schlußverkauf der ganzen City.
Um Punkt 8 Uhr platzen die Türen auf, der Sturm bricht los,
fegt über den Mönkeberg, durch die Spitalerstraße, den Neuen Wall bis zum Gänsemarkt,
nichts ist für immer, nichts ist umsonst,
alles ist zu haben und kostet eine Mark.
Die hochgezogenen Augenbrauen der Alsterarkaden
betrachten das Chaos des Ausverkaufs,
es erinnert an den Ersten Band der Enzyklopädie, den Großen Brand von 42, 1842,
in Block A bis D läuten die Glocken - wie beim Brand 43, 1943,
die Stempel schwimmen durch den Tempel wie bei der Großen Flut - Dritter Band,
vielleicht schreibt sich jetzt das vierte Buch,
und der Terminator erscheint am heutigen Tage aus der Zukunft 44, 2044.
Symbolisch wird die Stadt getauscht gegen eine Mark.
Wer weiß schon, was der Euro bringt?
Die bizarrsten Besitzer gewechselter Verhältnisse
sieht man ratlos vor den Schaufenstern der neuen Egalité.

Nach dem ersten Plündern und Vollstopfen zieht Ernüchterung ein.
Eine Dame weint. Sie hat die Galerie der Gegenwart gekauft
und hat nun den Krempel am Hals.
Wie ein Lehrer aus Eimsbüttel das Schauspielhaus. Die Stille macht ihn fertig.
Ein Rentner irrt durch Karstadt.
Jetzt, wo ich alles habe, ist mir die größte Freude genommen, das Einkaufen.
Zwei Tanten teilen sich den Alsterpavillon.
Die Angst geht bei ihnen kellnern.
Soviel Kaffee kann doch niemand trinken.
Ganz hinten sieht man die ersten Kaiser vom Rathaus im Fleet versinken.
Bobby, der Silbermann, improvisiert vor dem Alsterhaus einen Robo-Techno-Totentanz.
Ein Rechtsanwalt hat die Binnenalster erworben. Wohin damit? Wohin verschieben?
Die HWP ist erschüttert. So haben sich die Professoren
den Sozialismus nicht vorgestellt.

Die Straßenmusiker singen die Phantasie zuende.
Hier kostet alles eine Mark.
Die Toilettenbenutzung im Mövenpick
und die Straßenmusik darunter auch.

Un se smet de Eier un den Rum tosomen,
un se seggt, so ‘n Eierkoken hew ik geern,
dat is en Klacks for een Hamburger Deern.

Krista wacht auf vor dem Levantehaus.
Hamburg, ein Kaufmannstraum.
Ortwin sitzt als dritte Figur am Mönkebrunnen,
das Tüdelband in der Hand.
Soviele Gedanken sind hinein geflochten,
und doch hört er sich immer wieder sagen:

Klaun, klaun, Äppel wüllt wie klaun.
Ein jeder aber kann das nicht.

Let it be, sagt Krista, be and let it be.
Unser Problem ist, daß wir zu schnell hassen und zu schnell lieben.

Der blinde, stinkende und verrückte Obdachlose Ronny Otten
legt sich im Eingang von Brinkmanns Technischem Kaufhaus zur Ruhe.
Seine Hände zittern. Seine Arme zittern. Es ist nichts.
Seine Schultern zittern, während es zum Herzen kriecht.
Es ist nichts. Es ist nur der Große Klapper.
Alles, sagt er, habe ich gekauft und wieder verkauft.
Alles, nur nicht die Alsterschwäne.
Die nicht.